Kapitel 1
Es war ein bedeckter Frühlingstag, mild und erquicksam wehte die Luft, das neue Gras war duftend aus der Erde geschossen, zwei große Buben wälzten sich darauf umher, und jubelten und tollten. Als sie sich ermüdet hatten, saßen sie ein wenig still, und Athem schöpfend und sich erholend sahen sie nach der Stadt hinunter, über welche zuweilen ein breiter üppiger Sonnenstrahl sich ausbreitete, wenn die dünnen, schleierartigen Wolken eine kleine Strecke wichen und sich lösten. Diese Stadt war Prag, das vielgethürmte; am Kapuzinerberge spielten die Buben. Vielleicht klingt es Manchem unwahrscheinlich, Mancher wird es aber selbst erfahren haben, daß wir in einer gewissen Knabenzeit unter Ballspiel und Tändelei oft geneigt sind, ganz altväterisch ernsthaft über diejenige Lebenszukunft zu sprechen, welche für den Knaben existirt. Das heißt über diejenigen Wünsche, welche man aus den nächsten Vergleichen und Beispielen schöpft, ob man es nicht zum Exempel sehr schön finde, wie jener Nachbar zu leben, der den ganzen Tag Bücher lesen, oder wie jener, der sich stattliche Pferde und geputzte Lakaien halten, oder wie jener, der immerfort Tabak rauchen und neben der geschmückten, freundlichen Frau vor der Thür oder am Fenster sitzen könne. Es giebt Knaben, welche neben einander im Grase liegen, und sich ganz detaillirte wirthschaftliche Pläne mittheilen, wo sich der eine bloß so und so viel