Erstes Kapitel
An einem Frühlingsabend des Jahres 1685 ging ein junger Mann auf der Landstraße von Vienenburg nach Goslar. Er trug ein mäßiges Ränzel, schwang fröhlich einen Knotenstock und hatte recht bestaubte Schuhe. So mochte er wohl schon den ganzen Tag gewandert sein, aber Gang und Haltung zeigten doch keine Müdigkeit. Als er unter das Stadttor trat, schob der Torschreiber sein Fenster hoch und sah ihn stumm an; der Jüngling grüßte höflich und wies einen Wanderschein vor; der Torschreiber rückte sich die Brille auf die Stirn und las bedächtig, indem er das Gelesene schwerfällig murmelte: »Kurfürstlich sächsische Bergstadt Annaberg. Bürgermeister und Magistrat. Hm. Hm. Kurt Pfeffer, geboren den hm 1660, ehelicher Sohn des Geschworenen Hans Pfeffer und seiner hm. Hm. Auf Wanderschaft. Hm. Was habt Ihr in Goslar vor?« – »Übernächtigen. Durchwandern,« erwiderte Kurt Pfeffer höflich, aber kurz. »Hm. Hm. Neu Bergwerk, neu Geschrei,« sagte der Torschreiber. Der Jüngling lachte und zeigte seine gesunden Zähne: »Einen ordentlichen Kerl, der seine Sache versteht, können sie überall brauchen.« – »Unsereinem kommt viel vor,« sagte der Torschreiber. »Nun Gott befohlen,« schloß er und lüpfte das Mützchen; »Gott befohlen,« sagte Kurt, grüßte höflich und ging in die Stadt hinein auf den Katzenköpfen des Bürgersteigs. Da reichten manche Herbergen ihren Arm heraus und winkten ihm zu. Prüfend sah er