Das Gluck von Durrnstauden
Am Tag Mariä Kräuterweih 1878. Mein Leben ist vorüber, ohne dass ich es gelebt hätte. Ich bin schon lange tot, ob auch mein Leib noch außerhalb der Friedhofsmauern umgeht. Ich bin vergessen: Niemand in der weiten Welt draußen weiß von mir, der ich einmal die Welt aus den Angeln habe reißen wollen. Ein Gespenst meiner selbst hause ich hier unter den Bauern, die mich als einen harmlosen, verlorenen Narren missachten und meiner Wege laufen lassen. Die Kinder schauen mich scheu an, sie fühlen ein Geheimnis um mich schweben und wagen nicht, reich darum zu fragen. Was könnte ich ihnen auch antworten? Ist es ein Glück oder ein Leid, dass ich kein Schicksal mehr trage? Wie von einer fernen, kühlen, unbeachtet über den Abendhimmel gleitenden Wolke aus betrachte ich das Leben, das mich nichts mehr angeht. Ich bin unbeteiligt. Ich bin ohne Erwartung, ohne Sehnsucht. Früher, vor langer, langer Zeit, hätte dieser Zustand meinem Herzen gewiss sehr weh getan. Heute nimmer. Das belanglose irdische Geschäft, das mir ganz bedürfnislosem Menschen die bescheidenen Mittel zu einem Leben ohne Sorge gewährt, verknüpft mich nur lose mit der Welt. Ich habe nichts zu tun, als einen schönen, nutzlosen Garten zu betreuen und ein weitläufiges, von den einstigen Besitzern verlassenes Haus zu bewohnen und manchmal dessen Fenster zu öffnen, dass die frische Wiesenluft hereinschlage in die Räume, die ein wenig