I.
»Anna! – Anna! Hören Sie denn nicht? Es läutet schon zweimal, und Sie machen noch immer nicht auf!« »Natürlich habe ich gehört; das ist doch kein Grund, alles aus der Hand fallen zu lassen, es brennt ja nicht im Haus. Aber den Leuten da ist es wohl einerlei; sie glauben, man hat nichts anderes zu tun, als ihrer Läuterei nachzulaufen,« brummte die brave alte Anna in ihrer Küche vor sich hin. Die Tür zum kleinen Salon, in dem Fräulein Deaken vor einem mit Heften ganz beladenen Tische saß, stand offen. Sie korrigierte eines dieser Hefte. Ein drittes Mal ertönte die Glocke, diesmal schon mit allen Zeichen von Ungeduld. »Oho, das ist aber doch schon zu arg,« sprach Fräulein Deaken sich erhebend und schleppte sich schweren Schrittes zur Tür: »Ich versichere Sie, Anna, so kann es nicht mehr weiter gehen –- wenn ich selbst die Tür öffnen muß...« Gut, gut, ich geh' ja schon, bemühen Sie sich nicht, gnädiges Fräulein,« sprach Anna, indem sie sich den Zipfel ihrer fleckigen Schürze in den Gürtel steckte. »Es ist sicher Fräulein Stella – nur die macht solchen Randal – da sehen sie, was habe ich gesagt?« »Sie sind geradezu unausstehlich!« wandte sich Fräulein Deaken zu der alten Magd. »Gehen Sie in Ihre Küche und machen Sie die Türe zu.« Anna tat trotz der Rüge nichts dergleichen, sondern stellte sich vor Fräulein Deaken hin: »Ich sollte aber doch schon einmal wissen, was ich für Mittag zu