Chapter

1. Kapitel

1. Kapitel. Klara Rittler, Malerin, Berlin W, Paulsbornerstraße 211. stand mit Tinte geschrieben auf der Visitenkarte, die uns Mathilde, die Harstsche Köchin, am Nachmittag des 16. Mai 1922 in den Gemüsegarten brachte. Harald Harst, auf den Spaten gelehnt, mit dem er soeben ein Beet umgegraben hatte, zog die Stirn kraus. »Sagen Sie der Dame, daß ich erst übermorgen neue Aufträge annehme, Mathilde. Ich muß mich unbedingt nach diesen letzten Tagen etwas ausruhen. Der letzten Tage Qual war groß — zu groß! Einen Gisbert Parnack zur Strecke bringen, ist schlimmer, als Ihnen, liebe Mathilde klar zu machen, daß eine herrschaftliche Köchin Klienten nicht in einer so schmierigen Küchenschürze die Tür öffnet.« Die behäbige Mathilde wurde blaurot, schnappte nach Luft und trottete davon. Harald blickte mich an. »Dieses Fräulein Rittler kenne ich,« meinte er bedächtig. »Sie ist mehr Zeichnerin als Malerin. Ihre Illustrationen galanter Romane sind künstlerisch. — Das heißt: persönlich kenne ich sie nicht, die Rittler. Ihren Illustrationen muß sie schick, graziös, pikant sein.« Dann grub er weiter, und ich häufte Erde über die allzu vorwitzig herausragenden Spargelköpfe. Bis Mathilde, jetzt mit weißer Schürze, zurückkehrte und meldete: »Das Fräulein schickt hier nochmals die Karte. Sie hat nun noch hinten was draufgeschrieben.« Und das war: Sehr geehrter Herr Harst, vielleicht besuchen Sie

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