1. Kapitel. Der Blonde und der Schwarze
Das war an jenem Tage, als Harald morgens zu mir gesagt hatte, daß er diese Faulenzerei nicht länger ertrüge … Und zehn Minuten nach acht brachte die Köchin Mathilde uns einen soeben eingegangenen Brief … Ostseebad Arendsee, Mecklenburg, den 6. August 192… Villa Anna, Seestraße. 6. Sehr geehrter Herr Harst, Sie werden es vielleicht frech von mir finden, daß ich es wage, Ihnen etwas mitzuteilen, wovon ich annehme, daß ein Geheimnis dahintersteckt. Frech — denn ich bin erst vierzehn Jahre und Obertertianer. Ich wohne hier mit meiner älteren Schwester seit acht Tagen. Ich habe Grippe gehabt und soll mich erholen. Weil meine Schwester nun nicht viel gehen mag, habe ich mich immer allein am Strande und im Walde umhergetrieben. Vorgestern vormittag lag ich in den Dünen westlich von Arendsee. Mein Platz war insofern sehr günstig, als dort der Wald eine einzelne Reihe von Krüppelkiefern auf einem Dünenwall bis wenige Meter an die äußerste Grenze der auslaufenden Wellen vorschickt. Hier war ich eingeschlafen, und erwachte plötzlich, richtete mich auf und merkte sofort, daß ich nicht sehr fest geschlafen haben konnte, denn ich erfaßte später mit Auge und Verstand das Merkwürdige des Bildes, das sich dort links von mir in einem Dünenkessel meinen Blicken darbot. Dieses Bild, sehr geehrter Herr Harst, war folgendes: Der Dünenkessel war klein, aber tief, so daß nur jemand, der wie ich einen