Unser Rehbock
»Hals und Beinbruch also!« sagte unser Gastgeber zu uns und winkte uns noch nach … »Kommen Sie nicht ohne den Bock zurück!!« rief seine Nichte Wera und winkte gleichfalls … Wir beide wanderten durch die Felder, die Büchsen über der Schulter … Und ich mit etwas Jagdfieber in den Adern … Kein Wunder, denn — wie lange war es her, daß ich zum letzten Male Sonntagsjäger gespielt hatte … !! Endlos lange war das her … endlos lange! Eine halbe Stunde später hatten wir den Waldrand erreicht, wo der Rehbock seit einiger Zeit allabendlich zum Äsen austrat … In einem Gebüsch von Haselsträuchern machten wir es uns bequem … Links von uns stieg der Hochwald ziemlich steil zum Meeresstrande an, und rechts breiteten sich die fruchtschweren Felder vor Sellinhof aus … Über alledem ein Himmel in zartestem Rosa … Ein leichter Seewind … Die Natur atmete auf nach des Tages sengender Hitze … Über den tieferen Teilen der Heide erschienen zarte Nebelschwaden — ein dünner Hauch, der wie durchtränkt vom Abendrot war … — Wir beide warteten … Harald hatte das Fernglas an den Augen und musterte den Waldrand … Unter den grauweißen Buchenstämmen lauerte bereits die Dunkelheit … — eine feierliche Dämmerung wie in einem unermeßlichen Dome … Und dann Harald — überhastet, leicht erregt: »Eine Frau … — Mein Alter, eine Frau … Rechts neben der Eiche … « Ich blickte hin … Im Moment hatte auch ich das Glas an den