Das Gasthaus zur weißen Ratte - 1. Kapitel: Die Hand auf der Platte.
1. Kapitel. Die Hand auf der Platte. Die Baronesse Blanche von Ettar empfing uns am Parktor. Man soll nie übertreiben: Es war kein Parktor, es waren nur Trümmer davon. Und — daß diese junge semmelblonde Dame mit dem abgeschabten Lodenkostüm und dem zerbeulten Herrenjägerhütchen und den löcherigen Schuhen eine Baronesse war, hätte ihr niemand angesehen. Wer freilich dieses schmale, auf den ersten Blick recht nüchtern wirkende Antlitz zergliederte, wer Verständnis für graublaue Nixenaugen, für eine rassige, schmale Nase hat und wer insbesondere Hände zu beurteilen weiß, der ahnte wohl sofort unter dieser schäbigen Aufmachung das durch Generationen überzüchtete, aber doch edle Blut eines uralten Geschlechts, dessen Sprossen nicht nur die eigene Scholle beackert und als kühne Landsknechte den Degen geschwungen, sondern auch den verschiedenartigsten Zweigen der Wissenschaften namhafte Förderer und Autoritäten geschenkt hatten. »Ich danke Ihnen, meine Herren,« sagte die Baronesse und streckte mir die Hand hin, während Harald noch mit dem Chauffeur verhandelte, der uns von Berlin hier nach Schloß Garpenburg gebracht hatte und uns auch wieder nach Erledigung dieses sicherlich recht harmlosen Auftrags nach Hause mitnehmen sollte. Harald trat zu uns. Blanche von Ettar schaute ihm entgegen, als ob sie seine Persönlichkeit bis auf den Grund der Seele prüfen wollte. Auch ihm reichte sie die