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Neustadt, den 23. Oktober

Neustadt, den 23. Oktober 188.. Meine liebste Marie! Weißt Du noch, wie wir vor einem Jahr beisammen saßen, Du, Jenny und ich, und überlegten, ob wohl unsere Zeichenkünste hinreichen würden, uns an der ausgeschriebenen Konkurrenz für die „Modezeitung“-Vignette zu betheiligen? Wie Tante Gustel dazu kam und sagte: „Ich will mit Euch wetten, was Ihr Lust habt, daß Ihr eine Konkurrenz nicht mitmachen könntet, nämlich, an die Tafel zu zeichnen, wie Lauch und Sellerie aussieht!“ Jenny rief darauf: „O, Lauch, das weiß ich schon, das riecht schlecht!“ Und Du fielst ganz glücklich ein: „Ja, Sellerie, das weiß ich auch! In der Oper ‚Aschenbrödel‘ kommen solche kleine Kerls vor, als Gemüse und derartiges Zeug verkleidet; dann fällt der Vorhang und Einer ist hinausgesperrt, der heißt Sellerie!“ Dann rief Jenny wieder: „O, ‚Aschenbrödel‘ habe ich auch gesehen, aber ich wußte nicht, was Sellerie ist!“ Die Tante lachte, daß ihre runden Schultern wackelten; dann nahm sie ihren Strickkorb und sagte: „Moderne Mädchenerziehung! So seid Ihr Alle – mich dauern nur einmal Eure Männer!“ Damals lachten wir mit, aber solltest Du’s glauben, daß mir seit ein paar Tagen diese Kassandra-Worte in den Ohren klingen und ich mehr als einmal schon fühlte, daß ich eigentlich im Grunde recht wenig verstehe, und mich voll Angst fragte, ob Hugo am Ende wirklich bedauernswerth sein wird? Aber das kann ja doch nicht

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