Erste Abtheilung: Helene
In einer ziemlich entlegenen Straße Bambergs erhebt sich ein Gebäude von bedeutender Ausdehnung, das städtische Spital. Früher ein gräfliches Besitzthum, das aus zwei einzelnen Häusern bestand, ward es vor Jahren zu dem gegenwärtigen Zwecke durch einen Mittelbau vereinigt, dessen Front hart an der Landstraße liegt, während die Rückseite von großen, schattigen Gärten begrenzt wird, die sich bis an die Ufer der Regnitz hin erstrecken. Die untergehende Sonne eines Apriltages warf ihre letzten Strahlen in ein Parterrezimmer dieses Krankenhauses und erhellte die Physiognomie des hohen, etwas düsteren Gemaches. Es war ein Zimmer von ungewöhnlicher Tiefe; zwei Fenster desselben gingen nach der Straße, zwei andere, correspondirende, nach dem Garten, dessen alte, beschattende Bäume wohl immer eine gewisse Dämmerung in jenem Theile des Raumes erhalten mochten. An einem der Gartenfenster war offenbar das Lieblingsplätzchen des Bewohners etablirt. Ein viel gebrauchter, aber trefflich gepolsterter Lehnstuhl stand vor einem soliden kleinen Tische mit geschweiften Füßen, der mit Büchern, Rauchapparat und, gerade jetzt, mit einer ziemlichen Anzahl uneröffneter Briefe bedeckt war. Weit ernsthafter blickte ein großes, mit grünem Tuch bezogenes, neben eines der hellen Fenster nach der Straße zu gerücktes Schreibpult drein, neben dem sich ein Bücher-Repositorium erhob, das fast bis zur Decke