Das Erbbegräbnis
1. Kapitel. Graf Antonio Rapsoldi und der Likör. Graf Rapsoldi, der Gouverneur der portugiesisch-indischen Kolonie Goa, führte uns nach dem Abendessen in das Rauchzimmer und schickte den aufwartenden Diener hinaus. Rapsoldi war ein älterer vornehm aussehender Herr, dessen kleine schlanke Gestalt sich die straffe Haltung des früheren Militärs bewahrt. Wir als seine Gäste wußten bereits, daß der Graf ursprünglich Oberst eines Kavallerieregiments in seiner Heimat gewesen und daß nur besondere Umstände ihn bewogen hatten, zur Kolonialverwaltung überzugehen. Welcher Art diese Umstände jedoch gewesen, hatte er nicht näher erklärt. Harald Harst und ich hatten neben einem kleinen Rauchtischchen in bequemen weichen Klubsesseln Platz genommen. Der Graf brachte Likör, Zigarren und Zigaretten herbei und baute all die Herrlichkeiten mit einer liebenswürdigen Bemerkung vor uns auf. Und doch lag auf seinem tiefgebräunten Gesicht ein sinnender Ausdruck, etwas wie Geistesabwesenheit, die er nicht ganz zu verhehlen vermochte. Er setzte sich nun gleichfalls, füllte die geschliffenen Likörkelche und hob sein Glas gegen uns. »Ihre Gesundheit und langes Leben, Sennores!« sagte er mit leicht erzwungener Heiterkeit. Wir tranken. »Ein vorzüglicher Likör,« meinte Harald anerkennend und nahm die betreffende Flasche, um das Firmenschild zu prüfen. Auch ich schaute hin. Der Likör hatte einen ganz