Chapter

Drittes Buch: Das Testament

Während so, unter dem niedern Dach des Weberhauses, zwei langgetrennte Herzen sich wieder zusammenfanden, bereiteten Ereignisse ganz entgegengesetzter Art sich in dem prächtigen Schlosse des Fabrikherrn vor. Wir haben Angelica verlassen in dem Augenblick, da die Pferde wieder anzogen und das arme, geängstigte Mädchen, überwältigt von Aufregung, Furcht und Scham, halb ohnmächtig in die Kissen des Wagens zurückgesunken war. Aber nur wenige Sekunden – und der Wagen donnerte über die Brücke, durch das alte gewölbte Klosterthor, das noch immer den Eingang in das Innere des sogenannten Schlosses bildete. Angelica fuhr in die Höhe … Da war er nun wirklich, der Moment, dem sie seit so Langem, halb mit Sehnsucht, halb mit Beängstigung, entgegengeharrt hatte! da war es nun wieder, das Haus, das sie, wie immer, doch wenigstens dem Namen nach als ihr väterliches begrüßen mußte! da waren sie wieder, dieselben düstern, einförmigen Mauern, da winkten ihr, über das langgestreckte Klosterdach herüber, jene Bäume des Gartens wieder, zwischen denen sie aufgewachsen und in deren Schatten sie, neben mancher bittern, qualvollen Stunde, doch auch, in froher Gemeinschaft mit Julian und Reinhold, so manche glückliche, so manche kindlich selige verlebt hatte! Der helle, grelle Mondschein, der über dem weiten Platze lagerte, hier einen Giebel taghell beleuchtend, dort einen andern in tiefsten Schatten

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