Fünftes Buch. Der Justizrath
So war wieder eine Reihe von Wochen ins Land gegangen und das verhängnißvolle Weihnachtsfest stand dicht vor der Thür. Angelica befand sich in einer Aufregung des Gemüths, die ihr jede Gesellschaft fast unerträglich machte, nur diejenige ihres Bruders ausgenommen. – Die ungewöhnlich milde Jahreszeit übte auf Julian's Gesundheit den glücklichsten Einfluß. Zwar wurde seine Wange mit jedem Tage hohler, seine Blässe immer abschreckender, seine Stimmung dagegen war frisch und muthvoll, wie sie es seit Langem nicht gewesen. Beinahe täglich, bald auf Angelica's Arm gestützt, bald auch allein, machte er kleine Spaziergänge zwischen den herbstlich entblätterten Bäumen des Parks; die feuchte, milde Luft war seiner kranken Brust eben so wohlthätig, als das tiefe Schweigen in der Natur, diese feierlich traumhafte Versunkenheit, welche dieser Jahreszeit eigenthümlich ist, seinem Gemüth zusagte. Auch hatte er in so weit gute Tage, als weder der Commerzienrath noch Herr Waller sich in dieser Zeit viel um ihn bekümmerten. Herrn Waller ließ die Baronin, deren fromme Eitelkeit in demselben Grade zunahm, je näher der Tag kam, der sie befriedigen sollte, kaum mehr von ihrer Seite: während der Commerzienrath ebenfalls alle Hände voll zu thun hatte, das neue Fabrikgebäude zur Eröffnung in Stand zu setzen. Dasselbe sollte nach Julian's Namen benannt, gleichsam unter sein Patronat gestellt werden;