Chapter One
Die Klinge lag im Schutt des eingestuerzten Turms wie etwas, das darauf gewartet hatte, gefunden zu werden. Thyra sah sie zuerst als einen Lichtreflex zwischen den Truemmern — ein Blitzen, das nicht vom Mondlicht kommen konnte, weil der Mond hinter Wolken stand. Sie schob die Steine beiseite, und ihre Finger schlossen sich um einen Griff aus schwarzem Knochen, der so kalt war, dass er brannte. Das Schwert glitt aus dem Gestein wie aus einer Scheide, lautlos und leicht, und in dem Moment, als sie es hob, hoerte sie die Stimmen.
Es waren keine Stimmen, die sie kannte. Sie sprachen in einer Sprache, die aelter war als die Koenigreiche, aelter als die Mauern, auf denen sie stand, und doch verstand Thyra jedes Wort. Sie sagten ihren Namen. Sie sagten den Namen ihres Vaters und den Namen seiner Mutter und die Namen aller, die vor ihr gewesen waren, zurueck bis zu dem Ersten, der das Haus Valdris gegruendet hatte, bevor die Geschichte begann, sich selbst aufzuschreiben.
Thyra stand auf den Ruinen ihres Erbes und hielt das Schwert der Toten in der Hand, und die Nacht war still um sie herum, als hielte die Welt den Atem an. Unter ihr lag das Tal, in dem die Lichter des letzten freien Dorfes brannten. Hinter ihr lag der Wald, in dem die Armee des Usurpators lagerte. Und in ihrem Kopf fluesterten die Stimmen weiter, nicht drohend, nicht bittend, sondern mit der ruhigen Gewissheit von