Chapter

Erstes Kapitel

Vielleicht liegt es daran, daß das Stammschloß meiner Ahnen droben in Schottland in der Nähe der Meeresküste steht, wo traurige Hochmoore, kalte Nebel, das Toben der See und unendliche, unendliche Regengüsse der Menschenseele ein besonderes Gepräge geben. Man sagt den Schotten ja auch nach, ihre Seele sei außerordentlich leicht in die seltsamsten Schwingungen zu versetzen, sie seien mehr als andere Sterbliche unberechenbare Stimmungsmenschen, und diese Stimmungen würden bei ihnen durch die mannigfachsten Ursachen ausgelöst. Merkwürdig trotz alledem! Bei mir tut’s der Regen! Er zwingt mir eine müde, mutlose Gleichgültigkeit auf, unter deren Einfluß alles um mich her ein anderes Aussehen gewinnt – alles, Menschen, Dinge, Geschehnisse … Er zwingt sie mir auf. Ich gebe mich ihr nicht hin, ohne mich zu wehren. Ich neige nicht zu Träumereien, zum Nachgrübeln; verteidige mich gegen diesen Feind, verscheuche ihn auch so und so oft. Doch zumeist ist er stärker als ich. Ich stehe am Fenster meines Arbeitszimmers und schaue nach Westen zu über den Bahndamm und über die verräucherten Bäume hinweg auf den dunklen, endlosen Forst, auf den Grunewald, der da drüben lagert wie ein schwarzer Streifen, wie ein uralter, mächtiger Wall, gegürtet um die Riesenstadt Berlin. Aus diesem Streifen drängt sich jetzt etwas unheimlich Dunkelgraues hervor, kriecht höher und höher, einem in Bewegung

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