Chapter

Einleitung

Wenn wir heute einen griechischen Tempel betrachten, so haben wir immer ein einfaches und klares Bild. Wohl ist das Dach eingestuerzt, vielleicht liegen die meisten Saeulen in einzelnen Trommeln auf dem Boden, sind figuerliche Schmuckstuecke verschleppt; die bunte Bemalung ist verschwunden und der unbedeckte Stein hat durch Regen, Luft und Licht in Jahrtausenden einen neuen, edlen Ton angenommen; der Boden hat sich erhoeht und die urspruenglichen Verhaeltnisse muessen durch eine Nachgrabung wieder hergestellt werden; aber das alles sind nur Zerstoerungen, die zwar den unmittelbaren Eindruck so gruendlich geaendert haben, wie eine Ruine etwas anders ist als das urspruengliche Gebaeude; der urspruengliche Gedanke des Baumeisters ist immer noch deutlich zu erkennen, denn es hatte nur einen Baumeister gegeben und der hatte nur einen Baugedanken gehabt, und es sind nur sehr selten spaetere Anbauten und Umbauten gemacht, denn die Gegenden veroedeten, in welchen diese Tempel stehen, und die alten Werke wurden nicht zu den andern Zwecken spaeter lebender Generationen verwendet. Ein ganz anderes Bild gewaehren unsere mittelalterlichen Baudenkmaeler. Viele Meister und mehrere Jahrhunderte haben an ihnen gebaut, und nicht selten ist ein Werk in einem andern Stil angelegt, wie es vollendet wurde: wenn der romanische Baustil ein abgeleiteter und der gothische ein organischer ist, so

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