Vorwort
Thackeray sagt in seinem Roman Vanity Fair, der für uns den unmöglichen Namen »Eitelkeitsmarkt« führt, über Briefe: »Es gibt wohl in der Welt keine schärferen Satiren als Briefe. Lies ein Paket Briefe von deinem lieben Freund (vor zehn Jahren), den du jetzt nicht ausstehen kannst … Lies ein Paket von deinen eigenen Briefen, die ewige Liebe und unvergängliche Gefühle hauchen … Schwüre, Liebesbeteuerungen, vertrauliche Mitteilungen, Dankesworte, wie seltsam liest sich das nach einer Weile. Es sollte ein Gesetz erlassen werden, daß jegliches geschriebene Dokument (mit Ausnahme von quittierten Rechnungen) nach einer kurzen und angemessenen Frist vernichtet werden müsse. Die Quacksalber und Menschenfeinde, welche unverlöschliche japanische Tinte für den Gebrauch anpreisen, sollten samt ihrer abscheulichen Erfindung der Vernichtung preisgegeben werden. Die beste Tinte für den Gebrauch auf unserm Eitelkeitsmarkt wäre eine, die nach einigen Tagen gänzlich verlöschte und das Papier so rein und weiß zurückließe, daß man darauf an jemand anders schreiben könnte.« In der Tat, auch für viele der Briefe gilt das, die nach dem Tode großer Männer die verschiedenen Schubladen im Lande verlassen, um als kostbare Vermächtnisse den großen Mann zu blamieren und die Empfänger zu erhöhen. Oder auch ganz allgemein, um möglichst nichts, was geschrieben wurde, ungedruckt zu lassen. Wir kriegen jetzt