Chapter

I

In dem engen Korridor des Schlafwagens standen die Reisefiebernden bei ihren Kofferburgen. Die Kabinen weit geöffnet – der ekle Matratzengeruch, die wüste Unordnung nach einer Reisenacht. Hier und da hockten noch mißmutig Russen auf den Polstern, die ewige Zigarette mit dem Riesenmundstück in der schlaffen Mundecke; es waren breite, graue slawische oder matte, feiste orientalische Gesichter – die Charakterköpfe der östlichen Eilzüge. Der Trinkgeldschaffner turnte rasch und freundlich durch alle Hindernisse. Am letzten Fenster lehnte ein Herr lässig, elegant. Es war ein Junimorgen. Seit dem grauenden Tag hatte er hier gestanden und die dämmernde Ebene an sich vorüberfliegen sehen – in den Roßgärten die weidenden Pferde oder die zum Wiederkäuen niedergetanen Rinder, die grauen Dörfer, die duftenden Ährenfelder und hüben und drüben den dunkeln Wald. Es war die Heimat, die er Jahre nicht gesehen. Er schaute und schaute, aber das Auge blieb verschleiert und kalt. Als der Schaffner zu ihm kam, sagte er nur über die Schulter weg: »Besorgen Sie mir in Königsberg einen Kofferträger!« Der Mann blinzelte nach dem Kupee, wo elegante Gepäckstücke achtlos umherlagen, und sagte höflich: »Jawohl, Herr Baron!« »Stimmt nicht ganz«, antwortete der Fremde kühl und wandte sich wieder nach draußen. Zwischen Kiefernwald lugte das Frische Haff hervor, die bleifarbene Flut lustig gekräuselt, am Ufer

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