Das blinde Hindumadchen
1. Kapitel. »Es ist heute morgen nach dem Regen etwas kühler. Wir könnten einen Spaziergang unternehmen,« sagte Harald Harst zu mir, als wir uns vom Frühstücktisch erhoben. Wir weilten damals seit Tagen in dem wundervollen Prachtbau von Burg eines der eigenartigsten Menschen, dem wir je begegnet waren, eines Mannes von seltener Energie, kaufmännischem Scharfblick und abenteuerlichem Unternehmungsgeist. Leider waren ja die Charaktermerkmale Hektor Olgerdyns mit diesen vorzüglichen Eigenschaften nicht erschöpft, wie dem Leser des vorigen Bandes noch in Erinnerung sein dürfte. Dieser weitschauende Begründer der größten Kamelzüchterei Zentralindiens, dieser geschmackvolle Erneuerer der uralten Radschputenburg Tallamara, mitten in der Thar-Wüste gelegen, war nebenbei einer der gefährlichsten Störenfriede der öffentlichen Ordnung und Sicherheit. Daß ihn schließlich die Büchsenkugel Lord Allan Breßforts tot niedergestreckt hatte, war immerhin für ihn ein anständigeres Ende als etwa der ihm gebührende Hanfstrick des Henkers. Die Burg Tallamara beherbergte uns also an jenem Tage, wo mein Freund plötzlich das Bedürfnis nach einem Morgenspaziergang verspürte. Harst hatte bis dahin am Frühstückstisch in alten Pergamentrollen herumgestöbert, die er am Tage vorher in einem wurmstichigen Schrank eines der Ecktürme der Burg entdeckt hatte. — Wir nahmen unsere Sportmützen und schritten die