Chapter

Das Bild ohne Gnade

Mein Arzt hatte gesprochen: „Müßiggang und ein mildes Ostseebad!“ Der Rath klang nicht unwillkommen, denn er kam, abgesehen vom Revolutionszustand der Nerven, um jene Zeit der Sommerhöhe, wo ungestillte Reiselust in allen Adern prickelt, und Staub und Schornsteinrauch der Städte den Drang, frischeren Athem zu schöpfen, bis zur fixen Idee steigern. Mancher durch früheren Besuch liebvertraute Badeort der pommerschen Küste winkte und grüßte, aber der Tropfen Zigeunerblut, der unserer ganzen Sippe eigen, forderte Neues. In meinem Gedächtniß stieg ein Name auf, den mir ein Freund genannt: Zoppot! und ich schlug in meinem Bädeker nach. Der treue Reisemarschall, welcher auf jede Frage eine Antwort hat, gab ein verführerisches Programm: Curhaus dicht am Meeresstrande, Aussichtspunkte in der Nähe, die sich ähnlich weder an Nord- noch Ostsee wiederfinden, schließlich das interessante Danzig vor der Thür. Dies gab den Ausschlag; ich hatte nicht allein längst gewünscht, die malerische alte Hansestadt kennen zu lernen, mir lebten dort auch Freunde, deren Nähe dem zweifelhaften Badeleben Reiz zu geben versprach. So wurden denn die Koffer gepackt, Wohnung im Curhause bestellt und die Fahrt nach der Ostsee frischen Muthes unternommen. Ein heißer Augusttag führte mich dem letzten Ziele entgegen. Schon seit einer Woche herrschte versengende Hitze und hatte sich in den Waggons gleichsam zu einer

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