Die Villa Eller
Irma stand am Fenster und schob den schweren Vorhang mit der schmalen, weißen Hand etwas zur Seite. Sie schaute auf die stille, menschenleere Straße, in der die Villa Eller in dem alten Park zwischen mächtigen, breitkronigen Bäumen stand. Das kalte Glas kühlte die heiße Stirne, die sie gegen die Fensterscheibe preßte. Im Dunkel war nicht viel zu erkennen; um so besser ließ es sich träumen. Ihr Blick verlor sich in die Nacht hinaus. Irma Eller träumte gern, träumte um so sehnsüchtiger, seit sie ihr erstes Abenteuer erlebt. Sie wußte, daß man sie nicht vermißte, daß kein suchender Blick auf sie fallen werde, daß niemand nach ihr verlangte. In der Kaminecke in den bequemen Stühlen saßen Walter Eller, ihr Vater, der alte Geheimrat Hessel, Alice Renoldy und Professor Doncker. Die Herren rauchten Zigarren, und Frau Renoldy blickte den blauen, dünnen Rauchringen einer Zigarette nach. Irma wußte, wovon sie immer plauderten, von alten Schmuckstücken, seltenen Steinen, von Waffen, indischen und japanischen Bronzen; alle waren leidenschaftliche Sammler, die sich hier in den behaglichen Räumen des gastfreien Hauses öfter zusammenfanden. Sie hörte einzelne Worte der lebhaft geführten Unterhaltung. Niemand verlangte nach ihr; weshalb sollte sie sich dann nicht zu Luftschlössern und Träumen flüchten? Als ihre Gedanken zu dem Abenteuer zurückirrten, huschte ein leichtes Rot über das blasse