Die Luegen
Das Alibi zerfiel nicht auf einmal, sondern Stück für Stück, wie eine Mauer, aus der man einzelne Steine zieht. Der Hotelportier in München erinnerte sich an Lohmann, aber seine Beschreibung stimmte nicht ganz — die Haarfarbe war anders, die Körpergröße unsicher. Die Bordkarte war echt, aber der Name darauf war einer von drei, die Lohmann benutzte, wie Vogt herausfand, als sie seine Finanzen durchleuchtete.
Vogt flog nach München und sprach mit den Zeugen. Zwei von ihnen waren Geschäftspartner Lohmanns, deren Aussagen so gleichförmig waren, als hätten sie denselben Text gelernt. Der dritte war eine Frau, die behauptete, Lohmann am Abend in der Hotelbar gesehen zu haben, aber die das Hotelrestaurant beschrieb, das seit zwei Monaten wegen Renovierung geschlossen war.
Es gab einen Doppelgänger. Vogt fand ihn durch die Überwachungskameras am Münchner Flughafen — ein Mann, der Lohmann ähnlich sah, aber zehn Jahre jünger war und sich bewegte wie jemand, der eine Rolle spielte. Der echte Lohmann war nie in München gewesen. Er war in Hamburg geblieben, hatte das Gift in Schreibers Whisky gemischt und hatte darauf gewartet, dass sein perfektes Alibi die Arbeit tat.
