Der Tote Bankier
Der Bankier lag in seinem Büro im vierundzwanzigsten Stock, den Kopf auf dem Schreibtisch, als schliefe er. Die Sekretärin hatte ihn so gefunden, um acht Uhr morgens, und sie hatte drei Minuten gebraucht, um zu begreifen, dass ihr Chef nicht schlief, sondern tot war. Gift, sagte der Gerichtsmediziner später, etwas Seltenes, das in keinem Standardtest auftauchte und das man nur fand, wenn man danach suchte.
Hauptkommissarin Vogt übernahm den Fall, weil sie die Beste war und weil der Tote wichtig genug war, um Druck von oben zu erzeugen. Erwin Schreiber, sechsundfünfzig, Vorstand der Hanseatischen Privatbank, verheiratet, zwei Kinder, keine bekannten Feinde — was in seiner Branche bedeutete, dass jeder sein Feind war, aber keiner es zugab.
Der einzige Verdächtige war der Geschäftspartner, ein Mann namens Lohmann, der ein Motiv hatte, das so offensichtlich war, dass es fast wie eine Einladung wirkte: Schreiber hatte ihn aus dem Vorstand drängen wollen. Aber Lohmann hatte ein Alibi. Er war zur Tatzeit in München gewesen, nachweislich, mit Zeugen, Hotelrechnung und Bordkarte. Ein perfektes Alibi. Zu perfekt, dachte Vogt, und begann zu graben.