Chapter

Daniel Junt

Auf den Höhen der Vogesen lag neuer Schnee. Der Rauch, der aus dem schwarzen Kamin des Bergwirtshauses quoll, stieg als bläuliche Wolke steil in die Luft, bis er über den Grat gelangte. Dort zerriß ihn der Nordwind und schleuderte die Strähnen in den verschneiten Tannenwald. »Vollmond, heut nacht tanzen Schratzmännele und Erdwibele,« sagte die Magd und starrte über den kupfernen Kessel ins Freie. »Die Schratzmännele?« fragte ein ängstliches Stimmlein. »Ja, Kind, Unholde, die im Grund hocken am Krottenloch und in den Höhlenlöchern bei der Glashütte. Sieht sie keiner, aber wer's Ohr an die Steine legt z' Nacht um zwölf, der hört sie schnaufen und scherbeln.« »Und die Erdwibele, die streichen herum, das weiß ich, Tatine, sie haben lange, weiße Hemden an.« »Still, Florence, das sind gute Geister. Wo sie ums Haus ziehen, geht der Pferdefuß einen anderen Weg, wenn die feurigen Hunde bellen und die große Jagd vom Hohnack kommt mit Blitz und Wetter.« Eine Weile war es still in der dunklen Küche. Im Kamin polterte der Wind, wenn er mit einem Schnaufer sich über den Grat schwang und schnell einen wilden Lauf auf das Haus tat, das er nie recht erreichen konnte. Dann duckte sich die Rauchwolke und rannte in einem langen Wurm über das Dach hinunter, eine graue Furche in die Schneedecke fressend. »Sie tanzen um die Stein', n'est-ce pas, Tatine?« flüsterte die Kleine und kletterte auf die

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