Chapter

Zweiter Teil

In der ersten Nacht meines Christentums hat dieses sich ereignet: Ich habe gewacht und in der Klosterkirche gebetet; darauf bin ich aufgestanden, um mich in meine Zelle zu begeben, wobei ich an dem Gemach des Abtes vorbei mußte. Nun war es nach der Hora, welche um die Mitternacht in der Klosterkirche abgebetet und abgesungen wird, und um die Zeit, da die Väter und Brüder eine Weile auf ihren harten Lagerstätten ruhen dürfen. Wie ich aber im Dunkeln den Gang hinaufgehe, gewahre ich einen Lichtschein, welcher durch die Thüre der Zelle des Abtes in die Finsternis hineinleuchtet; zugleich vernehme ich Stimmen, die ich als die des hochwürdigen Abtes und meines lieben Bruders Eustachius erkenne. Diese beiden reden laut und beinahe zornig mit einander, wie im Streit, und als wenn der Bruder Eustachius einem Gebote des Abtes den Gehorsam verweigere. Ich wußte es bereits, daß der Gehorsam das allervornehmste Gebot eines Dieners des Herrn und Knechtes der Kirche sei. Auch war der Bruder Eustachius mir lieb geworden und lieber; nicht allein der großen Dinge willen, die er an mir begangen, sondern weil ich eben nicht anders konnte, als ihm von Herzen zugethan zu sein. Ich bleibe also stehen – wahrlich nur aus Schrecken und Angst um den guten Bruder – und höre nun mit an, was die beiden in der Stille der Nacht und an einem solchen heiligen Ort so laut miteinander zu reden haben. Sie

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