Einleitung
Von der tragischen Geschichte Dahiels, des Konvertiten, erhielt ich Kenntnis in einem vom italienischen Staate aufgehobenen Franziskanerkloster, zu dessen letzten Aebten der getaufte Jude gehört hatte. Der seltsame Mann, der anfangs dieses Jahrhunderts gestorben, ist sein eigener Biograph gewesen. In der Handschrift, die ich besitze, und die zweifelsohne das Original ist, befinden sich große Lücken, welche ergänzt werden mußten, während anderes, teils Reflexionen, teils Mitteilungen, zu unterdrücken waren. Auch der Schluß der Geschichte fehlt in dem Manuskript. Diesen erzählte mir ein uralter, halb stumpfsinniger Mönch, der als blutjunges Bürschlein unter dem Abt Theodorus in den Franziskanerorden getreten war. Er hieß Bruder Stefanus. Doch ich muß berichten, wie ich in das Kloster, das in einer der ödesten Gegenden des Sabinergebirges liegt, und in den Besitz der merkwürdigen Handschrift gelangt bin. Der ganze Frühling und ein Teil des Sommers ward von mir in Tivoli zugebracht; die Villa d'Este nahm mich gastlich auf. Von dem Augenblick an, wo das Thor des alten Zauberschlosses sich hinter mir schloß, fühlte ich mich wie außerhalb der Welt, den Menschen und Ereignissen weit entrückt. Wie im Traum spannen sich die Tage, die Wochen, die Monate ab. Häufiges, vieltöniges Glockengeläut von sämtlichen Campanilen Tivolis, beständiges Rauschen der Kaskaden und Brunnen im Schloßgarten,