Cornelia Fieramonti
Cornelia Fieramonti. Dreiunddreißig Jahre mögen beiläufig verflossen sein, seit der Major M***, welcher jetzt in einem freundlichen Landstädtchen, wo ich dessen Bekanntschaft machte, seine Pension verzehrt, als Kapitän in der französischen Armee diente. Die gewaltsamen Veränderungen, welche damals über das Königreich beider Sizilien hereingebrochen waren, und die dadurch veranlaßten Truppenbewegungen führten ihn nach dem Lande der Abruzzen, wo er mit seiner Kompagnie in eine schöne, reiche Stadt am Fuße des wildromantischen Felsgebirges verlegt wurde, das sich in schauerlichen Defileen und schluchtenreichen Engpässen, von einem reißenden Bergstrome bald bespült, bald durchbrochen, bis zum nächsten Städtchen, vierzehn Miglien weit hinzieht. Die Wirren der Zeit hatten recht ungünstig auf die Sicherheit des Landes zurückgewirkt. Raub und Mord war so allgemein geworden, daß man sich kaum innerhalb der festen Stadtmauern sicher dünkte. Wer auf Reisen ging, oder wer in manchen Gegenden nur bis zur nächsten Ortschaft zu fahren hatte, nahm von seiner Familie Abschied, als ob es einen Gang aus der Welt gelte, setzte sich bewaffnet bis an die Zähne in die Sedia und trieb den Vetturin mit dem quälenden, gewöhnlich nicht ungegründeten Verdacht zur Eile an, daß er seinen gewissen Verräter vor sich selbst auf seinem eigenen Fuhrwerke sitzen sehe. Als die Franzosen ins Land kamen, suchten sie