Chapter

Vorwort.

Wenn der geistvolle Michelet irgendwo die Entdeckung macht, daß »das erste Buch, das wirklich für eine Frau geschrieben wäre, in der französischen Literatur noch geschrieben werden müsse«, so hat er einigen Grund zu dieser eigenthümlichen Klage. Nicht, als ob der englische Maßstab der landläufigen Wohlanständigkeit der höchste wäre, den man an ein dichterisches Werk legen könnte! Im Gegentheil, – eine schöne Literatur, die nur noch für den Theetisch in den Drawingrooms geschrieben wird, die nur noch darauf bedacht ist, die zarten Seelchen von sechzehn Jahren ja nicht zu beleidigen, ist ganz gewiß eine Epigonenliteratur, die mit starken Schritten ihrem Verfall entgegengeht. Aber ein Anderes ist es: nur für Frauen schreiben, und ein Anderes: gar nicht mehr für Frauen schreiben, oder, um es genauer auszudrücken: gar nicht mehr so zu schreiben, daß ein harmonisches, im besten Sinne keusches Gemüth seine Freude daran haben kann. Und dieser Vorwurf, die Sympathie der reinlichen Geister verscherzt zu haben und zu verscherzen, bleibt allerdings – eine Menge ehrenvoller Ausnahmen selbstverständlich abgerechnet – in der Hauptsache auf der neueren französischen Literatur haften. Die Literatur ist, im Ganzen und Großen, das treue Spiegelbild des Geisteslebens der Gesellschaft, in welcher und für welche sie geschrieben wird. Eine Gesellschaft nun, in der, wie in der französischen, der

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