Chapter

Cora

Willibald Moor war als der Sohn einer Witwe in dürftigen Glücksumständen aufgewachsen und behielt auch in der Universitätszeit etwas bläßliches, gedrücktes, wie eine Pflanze, der es an Sonne fehlt. Daher er sich nach abgelegter philologischer Staatsprüfung auf Zureden seiner Mutter entschloß, das kleine Legat, das ihm von entfernter Seite zugefallen war, zu einem Winteraufenthalt in Italien zu benützen und seine Gesundheit zu kräftigen, bevor er in ein Lehramt träte. Da ihm die vornehmen Kurorte an der Riviera zu teuer waren, suchte er sich im Herbst ein kleines Fischerdorf in der Nähe von Pisa aus, wo er den Männern ihre Netze ziehen half und mit ihnen auf die See hinausruderte. Die übrige Zeit lag er an dem offenen sonnigen Strande, den ein hohes Gebirge gegen Norden deckte, auf der faulen Haut, sah in den blauen Himmel und hatte keinen höheren Ehrgeiz als seine bloßen Füße, an deren Weiße er sich schämte, in der noch immer kräftigen Sonne zu bräunen. Von welchem Geschäft er jedesmal einen Wolfshunger nach Hause brachte, den er wie die Eingeborenen an Fischsuppe und Polenta stillte. Sonne und Seeluft taten ihr Amt und kochten den unausgebackenen Bücherwurm vollends gar, sie weiteten ihm den Brustkorb, stählten seine Muskeln, machten sein Denken leicht und alle seine Bewegungen frei und schwingend, daß das Frühjahr einen ganz veränderten Menschen fand. Aber mit Schrecken sah

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