Erste Scene: Ein Künstler-Atelier
Erste Scene. Ein Künstler-Atelier. Es giebt eine Gegend in London, welche die Genossenschaft der Maler sich vorzugsweise auserkoren hat. Wenn man von Fitzroy-square ausgeht, kommt man in ein Labyrinth den schmutzigen Straßen, in denen man überall die den Malerwerkstätten eigenthümlichen hohen breiten Fenster bemerkt. Diese dumpfen, düstern Straßen, welche den Anschein haben, als ob sie einst bessere Tage gesehen, sind der Aufenthalt der aufstrebenden Kunst, während die erfolgreiche Kunst nach Kensington entflieht, wo die Seele des Malers unter reinerem Himmel, unter dem Gesange der Vögel und dem Rauschen der Waldbäume einen freieren Aufschwung nimmt. Allerdings bleibt zuweilen auch ein großer Mann in der düstern Nachbarschaft zurück, gerade als ob er die Ringenden nicht gern allein und entmuthigt zurücklassen möchte; aber die Nachbarschaft wird mit jedem Tage düsterer und mit jedem Tage ziehen die erfolgreichen Maler mehr nach Westen. Für Laurence Bell, Schüler, und Träger einer goldenen Medaille, der den ganzen Tag über in seiner Malerwerkstätte angestrengt arbeitete, war die Düsterheit der Nachbarschaft von keinem sonderlichen Belang. Ein Mensch lebt nicht allein innerhalb der vier Backsteinmauern, die er von dem Hausherrn gemiethet hat. Er besitzt eine eigene Wohnung, die in seiner selbstgeschaffenen Welt liegt und für die er weder Miethe noch Steuern zahlt. Man kann zwei