Chapter

Kapitel 1

Der Sturm hat die Tür zum Wirtschaftsgebäude aufgerissen. Wie eine weiße Meute peitschte heulend der Schnee herein. Eine Mauer bildete sich drüben vor dem einsamen Eingang ins Schloß. Gräfin Christine, längst ohne Dienstboten, ist beschäftigt, das magere Obst einzukochen. Man muß sich auf einen langen und harten Winter gefaßt machen. Fleisch ist sehr selten geworden, denn die Bauern haben rücksichtslos den Wildbestand zusammengeschossen. Nichts geschieht mehr für die Winternot der Tiere. Nur die Wölfe dringen des Nachts rudelweise bis ans Schloß heran und müssen von Michael mit Flintenschüssen verjagt werden. Christine will die Tür schließen, denn die eisige Kälte dringt schon durch ihren Pelz, da löst sich ein dunkler Schatten aus dem Schleier von Schnee und Sturm. Sie erkennt ihn sofort an dem nur ihm eigenen Lachen. An den schmalen Schultern erkennt sie ihn, an der Art, wie er nachlässig die Hand hebt. »Alexeij!« ruft sie entsetzt. »Alexeij Odojewskij!« Das Gefäß mit Obst entfällt ihrer Hand. Sie schaut ihm entgeistert ins Gesicht, aus dem er die Eisperlen wischt. Er eilt auf sie zu, um ihre Wangen zu küssen, aber sie weicht schnell zurück. Sein Lachen, unecht, eine stete Maske, bleibt in seinem harten Gesicht stehen. »Nicht anrühren, Hauptmann Odojewskij! Ich bin Gräfin Kusmetz.« »So,« sagt er trocken und wirft sich auf die Bank. »Das ist keine Neuigkeit für mich, Gräfin!«

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