Erster Teil
So ist es denn wieder Herbst geworden, und Brigitte sitzt im Anger hinter dem Haus, das Kind hat sie neben sich im Korb, es spielt mit seinen zehn Fingern wie mit einem fremden Ding. Talauswärts verblaut das Land nach der Ferne zu, und die Berge, die gegen das Licht stehen, scheinen vor Leichtheit zu schweben. Die Apfelbäume hängen voll Frucht; sie ist in diesen Tagen rund und süß geworden. Die stete Kraft, die sie geschwellt hat, hält eine Weile ausschwingend inne. Davon ist es rings oktoberlich still. Auf der andern Talseite drüben pflügt ein Bauer mit zwei Rössern einen Steilhang. Sein Bub führt die Tiere; sie hauen, schwer nach vorn hängend, die Hufe in den braunen Boden. Es ist eine harte Arbeit, den Pflug gradaus zu führen und ihn am Ende der Furche jedesmal herumzuwerfen. Dennoch geht auch von dieser Mühsal keine Störung des Friedens aus, der über der herbstlichen Welt liegt. Gegen das Nachbardorf hinauf steigt der Hannes – sein Hof liegt eine Stunde taleinwärts gegen den Berg zu – und Brigitte sieht ihm nach, bis ihn der Hohlweg aufnimmt. Er ist vor einer halben Stunde bei ihr gewesen – mit einem Anliegen, über das sie sich noch immer wundert. Was für eine Kraft geht von jedem Schritt dieses Burschen aus, der noch nicht ganz fünfundzwanzig ist! Eine Kraft, an der sie selber teilzuhaben meint, solange er in der Nähe ist. Wie anders war es, Christian nachzublicken! Schon