Erstes Kapitel
In Karlstadt lebte vorzeiten eine Frau Oberst, namens Beate Ekenstedt. Sie war aus dem Geschlechte Löwensköld von Hedeby und folglich eine geborene Freiin; sie war sehr liebenswürdig und sehr hübsch und sehr gebildet, und sie konnte Gedichte machen, die genau so ausgezeichnet waren wie die von Frau Lenngren. Sie war klein von Gestalt, hatte aber eine sehr gute Haltung wie alle Löwenskölds. Dabei hatte sie ein höchst interessantes Gesicht und wußte jedermann schöne und angenehme Dinge zu sagen. Über ihrer ganzen Erscheinung lag ein romantischer Schimmer, und wer sie einmal gesehen hatte, konnte sie nie wieder vergessen. Frau Beate Ekenstedt war immer ausgesucht gut gekleidet und auch stets auffallend schön frisiert; wo sie auch hinkam, immer hatte sie die schönste Brosche und das geschmackvollste Armband und den strahlendsten Brillantring. Sie hatte auch die kleinsten Füße, die ein Mensch haben kann, und ob es nun Mode war oder nicht, so trug sie doch jederzeit kleine Goldbrokatschuhe mit hohen Hacken. Frau Beate Ekenstedt wohnte im vornehmsten Haus in Karlstadt, und das lag nicht zwischen den andern Häusern in engen Gassen, sondern am Ufer des Klarelfs, so daß die Frau Oberst von ihrem eigenen kleinen Zimmer aus auf den Fluß hinaussehen konnte. Sie pflegte auch zu berichten, daß sie in einer Nacht, als heller Mondschein auf dem Flusse lag, dicht unter ihren Fenstern den Neck