Cesario
Der Frühling bracht' entsetzlich schlechtes Wetter, Zum großen Mißgefühl für Stadt und Landschaft, Wie, wenn der Mai, als des Novembers Vetter, Einmal beweisen wollte die Verwandtschaft. Da war denn das Theater noch ein Retter Für viele, die nicht gerne die Bekanntschaft Zu früh besuchten, und Gesang und Reigen Vorzogen, um sich ruhend auszuschweigen. Auch Ulrich nahm zur Oper eine Karte; Verwünschend bald den alternden Tenor, Der sein Gehör mit Fisteltönen narrte, Derweil die Sängerin, mehr als zuvor, In allerlei Manieren quiekt' und quarrte, Und maulaufsperrend orgelte der Chor. Und während andre schrien und klatschten mächtig, Fand Ulrich dies Vergnügen niederträchtig. Er hielt's kaum aus. Allein was sonst beginnen? Da draußen war's noch Tag. Zu seinem Buche Nach Hause gehn durch Wind und Regenrinnen? Zur Schwester? Aber da war zum Besuche Heut' Damenkranz – da galt's doch, sich besinnen! Der Schwager pflegte dann mit stillem Fluche Das Haus zu meiden, selbst der Schwester Lage Litt unter solchem Fest für viele Tage. So blieb er sitzen. Doch im Zwischenakte Ging er hinab, wo in der Treppenhalle Sich, was das Haus bisher zusammenpackte, Begegnet, drängend, in gemischtem Schwalle; Der Galerieentstiegne, der Befrackte Des ersten Rangs, hier fanden sie sich Alle, Sich zu begrüßen, sich vorbei zu ducken, Die meisten nur, einander zu begucken. Da durchs Gedränge kommt ein