Chapter

Casanovas letztes Abenteuer

Ich bin Memmo Croce und war der alte Diener meines Herrn, des weltbekannten Giovanni Jacopo Casanova de Seingalt. Eigentlich heiße ich mit Vornamen Domenico. Aber mein Herr rief mich stets mit der in Venedig beliebten Abkürzung »Memmo«. Ich habe dank meines Oheims, der ein Geistlicher war, schon als Kind schreiben gelernt und war darum meinem Herrn, der lieber diktierte als selber schrieb, bei der Abfassung seiner berühmten Denkwürdigkeiten eine stete große Hilfe. Gekommen sind wir bei dieser unserer Arbeit bis zum Jahre 1773, in welchem Casanova ungefähr sein fünfzigstes Lebensjahr vollendet hat. Und seine Abenteuer in Triest schließen die Kette der sonderbaren Fügungen ab, die sein unruhiger Geist und die stets wechselnde Laune des Schicksals ihm bereiteten. Man merkt, ich habe mir einige seiner Wendungen und seine ganze Schreibweise ein wenig zu eigen gemacht. Ich werde versuchen, in ihr, so gut es mir gelingt, die Geschichte der traurigen letzten dreizehn Jahre zu erzählen, die mein Herr noch in dieser Welt der Ränke und Träume, der Machtgier und der Liebesleidenschaften verbracht hat. Nachdem Casanova das langweilige Triest, in dem man nur vom Meer, vom Handel und von Politik redet, verlassen hatte, war es ihm für eine kurze Zeit wieder vergönnt, sich in seiner Heimatstadt Venedig aufzuhalten. Sobald er die Aufhebung des Verbannungsediktes erfuhr, brach er sofort nach den

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