Gottes Schwiegermutter
Die Mutter hatte Kinder und fühlte sich einsam. Der »jüngere« war jahraus, jahrein auf der Universität, genannt die »hohe Studi«; und wenn er in den heißen Tagen des Hochsommers auf Ferien kam, fragten die guten Bekannten immer: »Alsdann, Herr Schriftgelehrter, wie viel Papier ist denn heiter wieder draufgegangen?« Im Laufe der Jahre aber lernten sie vernünftiger fragen, indem sie am Papier die erste Silbe verschluckten. Dann der »ältere«, der war gar schon Gesellpriester zu hinterst im Passeiertal und kriegte jeden Samstag einen Gulden und drei Zwanziger bar auf die Hand, Woche für Woche. Ja, der saß in der Wolle und stak im Winter im Schnee. Zum Glück dauert so ein Winter in Passeier nicht ewig, höchstens dreiviertel Jahr. Und dann wurde eines Tages der große, braune Holzkoffer mit den drei Fächern und dem kunstvollen Vexierschloss vom Dachboden heruntergeholt und sorgsam vollgepackt für eine weite Reise. Nesthockerl, das liebe, lustige, rosige Mädl, ging fort, um niemals wieder zu kehren. Gott wollte sie sich weihen. Das hatte ihr ein Ordensmann so herrlich schön ausgemalt. Und nun wollte sie sich vor der bösen Welt verschließen in ein streng versperrtes Frauenkloster, und gar außer Land, weil wir in Tirol daheim keine Klösterlein haben. Die Mutter weinte bitterlich, da sie wieder ein Kind verlor; aber der Ordensmann patschte vor Freude in die Hände: »Mutterl, denkt Euch die