Erstes Kapitel
Es war an einem Spätherbstnachmittage, als ein junges Mädchen mit schnellen Schritten die Avenne de Villiers in Paris entlang schritt. Es war eine schlanke schöne Gestalt, die elsengleich über das Trottoir hinweg glitt. Ihr Antlitz konnte man nicht erkennen, denn ein dichter Schleier umhüllte dasselbe, nur bisweilen blitzte es aus den Lücken hervor. Es war nicht schwer zu errathen, daß die junge übrigens mit Eleganz gekleidete Dame trotz ihrer Eile eine gewisse Vorsicht nicht außer Acht ließ. War es ihr darum zu thun, nicht allzu genau beobachtet zu werden? Mehrmals mäßigte sie ihre Eile, wenn in der einsamen Straße andere Personen sich ihr näherten, jedesmal aber setzte sie ihren Weg wieder fort und würdigte die Vorübergehenden keines Blickes. Da plötzlich blieb sie von neuem stehen, und indem sie den Schleier ein wenig lüftete und dabei die Hälfte eines blühenden schönen Antlitzes enthüllte, schaute sie scharf nach dem jenseitigen Trottoir hinüber. Zwei elegant gekleidete junge Herren waren soeben aus einer Nebengasse in die Avenue eingebogen und promenirten plaudernd und gemüthlichen Schrittes die Straße herauf. Das junge Mädchen ließ den Schleier wieder über das Antlitz zurückfallen und schien zu zaudern, ob sie schnell vorübereilen oder umkehren sollte. Schon hatte einer der jungen Herren einen flüchtigen Blick zu ihr hinübergeworfen, ohne ihn jedoch länger auf der