I. Der Dniepr
Ludwig Richard hatte sich in seinen Vermuthungen nicht getäuscht: Ney hatte sich nordwärts gewendet, um den Russen zu entschlüpfen. Ohne die oben erzählten Vorgänge zu beachten, den Kopf abwendend, um die zum Tode Getroffenen nicht fallen zu sehen, die Ohren zuhaltend, um das Wehklagen der Verwundeten nicht zu hören, marschirte der Marschall gerade fort; er kümmern sich weniger um den Kartätschenhagel als um das Schneegestöber, welches ihm die Spuren entzog, an denen er den Weg hätte erkennen können. Er marschirte drei Stunden, dann machte er Halt. — Man rastete in einem verlassenen Dorfe; alle Dörfer waren verödet, denn es waren schon zwei, vielleicht drei Armeen vorübergezogen. In den Häusern waren weder Thüren noch Fenster, Alles was zu verbrennen war, hatten die ersten Heerhaufen verbrannt. Dort läßt er seine Feuer anzünden; aber vor Tagesanbruch und während die Feuer noch brennen, will er abmarschiren. Der Dniepr muß vor ihm fließen, aber vor ihm stehen die Russen; er will sich rechts nach Osten wenden und dann eine Schwenkung nach Süden machen; er wird dann den Fluß finden. Gegen neun Uhr hört man Kanonendonner; ist es ein Armeecorps, das ihn auf Napoleons Befehl sucht? Nein, die Geschützsalven folgen zu regelmäßig, es müssen die Russen seyn, die ihre Triumphe im Lager feiern. Ohne Fahrzeuge, ohne Brückenequipagen, muß der Marschall Ney mit den Trümmern seines Heeres aus