Chapter

Calderon, der Höfling

Die Tragikomödie der Hofintrike, welche seit der Gelangung des Hauses Oestreich auf den Thron jederzeit in Spanien ihren Hauptschauplatz gefunden hatte, ward mit besonders anziehender Verwicklung der Ereignisse und ausgezeichnetem Glanze der Darstellung aufgeführt unter der Regierung Philipps III. Dieser Monarch, schwach, indolent und abergläubisch, überließ die Zügel der Regierung den Händen des Herzogs von Lerma. Der Herzog von Lerma seiner Seits, mild, geschmeidig, prachtsüchtig und schmachvoller Corruption ergeben, trat die ihm so zugefallene Machtfülle an Rodrigo Calderon ab, einen geschickten und entschlossenen Emporkömmling, welchen Natur und Glück gleicherweise zu begünstigen und mit ihren Geschenken zu überhäufen schienen. Aber nicht so sehr seinen allerdings großen Talenten, als der Politik religiöser Verfolgungen, die er unterstützt und durchgesetzt hatte, verdankte Rodrigo Calderon sein Emporkommen. Der König und die Inquisition hatten einige Jahre vor dem Zeitpunkt, mit welchem unsere Geschichte beginnt, die allgemeine Vertreibung der Morisken – des reichsten, thätigsten und gewerbsamsten Theils der Bevölkerung beschlossen. »Lieber wollte ich,« sagte der bigotte König – und seine Worte wurden von dem Enthusiasmus der Kirche begrüßt und gerühmt – »mein Königreich entvölkern, als einem einzigen Ungläubigen den Aufenthalt darin gestatten.« Der Herzog von Lerma ging in

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