Der Minister Gelagin
Der Geheimrath von Gelagin, der Cabinetsminister der Kaiserin Katharina II., hatte soeben eine Botschaft erhalten, welche ihn in demselben Augenblick in das Winterpalais vor die Czarina berief, die eine mündliche Auskunft in einer gerade vorliegenden Sache von ihm verlangte. Herr von Gelagin sah sich durch diesen unerwarteten Befehl der Kaiserin heut auf das Unangenehmste berührt, denn er hatte in seinem eigenen Hôtel eingeladene Gäste zu empfangen, die schon in einer Stunde zum Diner bei ihm eintreffen sollten. Es war dadurch eine Art von Verlegenheit für den Minister entstanden, die ihm eine sehr verdrießliche Laune zu bereiten schien. Während er von seinem Kammerdiener die letzte Hand an seine feierliche Toilette legen ließ, in welcher er vor der Czarin zu erscheinen hatte, unterhielt er sich gleichzeitig mit seinem Secretair und Vertrauten, Herrn Kulnoff Iwanowitsch, der in dem anstoßenden Cabinet am Schreibtisch saß, über die mögliche Störung, die das heutige Diner erleiden konnte. Gelagin war jedoch nicht der Mann, der sich anhaltend über Etwas zu beunruhigen vermochte. Er war einer der fröhlichsten und sorgenlosesten Charaktere in Petersburg, und strich sich auch jetzt mit einer lustigen Geberde über die Stirn, indem er es aufgab, sich ferneren Zweifeln über die Pünktlichkeit seiner Rückkehr zu überlassen. Sein Secretair, auf dessen Gewandtheit er sich verlassen durfte,