Buen Retiro
Eine hübsche lange Zeit ist’s her, seitdem ich Deinen letzten Brief erhielt, lieber Freund! Soeben lese ich ihn nochmals durch und muß lachen über die vielen Vorwürfe, die er enthält. „Welcher Teufel reitet Dich,“ schreibst Du, „diese Marotte in Scene zu setzen, Dich in die Einsamkeit vergraben, den Einsiedler spielen zu wollen? Ein Mensch wie Du, in den besten Mannesjahren, geradezu ausersehen, im öffentlichen Leben eine Rolle zu spielen“ und so weiter! – Entschuldige, mein Alter, aber das stimmt nun nicht, stimmt alles nicht! Erstens setze ich keine „Marotte“ in Scene, sondern einen seit langen Jahren sorgfältig erwogenen, zärtlich gehegten Lieblingswunsch, den Du recht gut kennen mußt, der Dich folglich nicht zum Staunen berechtigt. Zweitens vergrabe ich mich keineswegs in die Einsamkeit, sondern ich sitze in unmittelbarer Nähe einer Großstadt, habe kaum eine halbe Stunde bis zu einem ihrer zahlreichen Vororte zu gehen, kann dort in die Pferdebahn steigen und befinde mich in weiteren zwanzig Minuten mitten im fieberhaft schlagenden Herzen besagter Großstadt, drittens denke ich durchaus nicht den Einsiedler zu spielen, sondern so oft es mich danach gelüstet, und das kann vielleicht recht häufig geschehen, den Verkehr mit allerlei Leuten, mit Kollegen und Bekannten, zu pflegen, die Museen zu bereisen, Konzerte und Theater zu besuchen und gelegentlich, wenn ich einmal sehr gute