Chapter

Einleitung

Meine beiden Großväter waren zu Anfang des 19. Jahrhunderts nach Rußland ausgewandert, und beide hatten es in St. Petersburg als Bäckermeister zu Wohlstand und Ansehen gebracht. Der älteste Bruder meiner Mutter war Zuckersieder geworden und beherrschte schließlich als der sogenannte »Zuckerkönig« den russischen Markt. Bei ihm war auf einer seiner Fabriken mein Vater als kaufmännischer Betriebsleiter angestellt. Die Fabrik lag am Strande eines breiten Rebenflusses der Newa inmitten von kleinen Gärten und einem großen Parke. Dort fühlten wir Kinder, meine drei Brüder und ich, uns wie auf dem Lande. Der Vater, ein hochgewachsener, ernster und strenger Mann, hatte allerhand durchmachen müssen, bevor er die Mutter, elf lange Jahre nach ihrer Verlobung, hatte heimführen können: sie war eine heiter besinnliche Frau, deren natürlicher Frohsinn immer wieder die Oberhand gewann. Zu unserm Haushalt gehörten der krummbeinige Hausknecht Danilo, an dessen Gutmütigkeit wir unsern Übermut ausließen, die sächsische Köchin Johanna, die uns mit Märchen und romantischen Geschichten unterhielt, und die russische Wärterin, die Njanja, die uns grenzenlos verwöhnte. Am wohlsten fühlten wir uns natürlich an Festtagen, vor allem in der vollen Ferienfreiheit am Strande des Finnischen Meerbusens, und wie sich da deutschblütige Jugend unter Esten und Russen tummelte, davon will ich nun einiges erzählen.

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