1.
1. Durch die vom Bahnhof führende staubige Akazien-Allee kamen zwei Männer dahergeschritten. Ein barfüßiger Junge lief vor ihnen her; er trug einen großen, schweren, aber sehr abgeschabt aussehenden Reisesack in der Hand, welcher vermuthlich dem wettergebräunten älteren Manne gehörte, der, einen breitrandigen Filz auf der grauen Löwenmähne, in dunkelcarrirtem Anzuge auf seinen schweren Sohlen so wuchtig zuschritt, als ob er dem hartgetretenen Boden seine Fußstapfen einprägen wolle, wie der Herr, als er dem fliehenden Petrus begegnete, oder auch als ob er mit dem Bewußtsein Fiesco’s: „die Blinden in Genua kennen meinen Schritt“ seinen Einzug halte in die vor ihn liegende deutsche Residenz, die freilich kein Genua war, nicht einmal eine große Seestadt, sondern nur eine hübsche moderne Landeshauptstadt, recht mitten in einem waldreichen Hügellande gelegen. Der jüngere Mann, der jedoch auch schon den Vierzigern nicht mehr ganz fern stehen mochte, war das gerade Widerspiel des älteren; er war sehr elegant gekleidet, hatte ein feines, ovales Gesicht mit einer stark ausgebideten Stirn über lebhaft glänzenden, blaugrauen Augen, eine hohe, schlanke und doch männlich feste Gestalt und etwas Aristokratisches in seiner Haltung, wenn auch nicht in den Zügen, welche die Spuren eines ernsten und angestrengten Gedankenlebens trugen. Vielleicht jetzt gerade mochte dieser Ausdruck besonders