Erster Teil - Kapitel 1
Ich kann nicht, wie so mancher andre es tut, meine Memoiren mit der Aufzählung vorväterlicher Herrlichkeiten und Heldentaten beginnen. Selbst von meinem Vater weiß ich nur, daß er ein verarmter und zu seinem Glücke mit Ruhm gefallener bretonischer Edelmann war, dessen Tod die ganze Erbschaft an Gütern und Ehren darstellte, die er seinem einzigen Sohne hinterließ. Die Erinnerungen an meine früheste Jugend bieten nur Bilder drückender Armut auf einem halbverfallenen Edelhofe, dazwischen einige holdere von heimlichen Streifzügen durch rotblühendes Heideland und Brombeergebüsch. Vergeblich suche ich rückschauend in diesen Erinnerungen nach einer Frauengestalt; nur rauhe Knechte haben mich erzogen. Mein besseres Leben begann erst, als mein Vater, den ich auch nicht häufig sah, die Klugheit hatte, sich neben Turenne und vielleicht von derselben Kanonenkugel töten zu lassen, und die Milde des allerchristlichsten Königs mich vor dem Schicksale manches herabgekommenen Landjunkers bewahrte, das da war, als geduldeter Kostgänger seiner leibeigenen Bauern in Trägheit und Unwissenheit zu verderben. Das Todesverdienst meines Vaters machte mich zum Schützling Ludwigs des Großen, zum Zögling seiner neugegründeten Schule und zum Erben getragener Prunkgewänder fürstlicher Knaben. Ich war zehn Jahre alt, als ich, ein wildes, scheues und vernachlässigtes Kind, nach Paris kam; zwei Jahre später war