Chapter

Zum goldenen Lamm

lautet die Umschrift auf dem weit vorragenden Wirtsschilde, und das rundliche vergoldete Lamm beugt den Kopf bescheiden, aber doch auch mit einer leisen, fast neugierigen Wendung. Den bitterlich herben, aber auch erfrischenden Duft von gepreßten Waldkirschen atme ich, indem ich an das Wirtshaus an der Landstraße denke. Es ist zur Zeit, wo sich der Sommer zum Herbste neigt. Auf den Thalwiesen mit Stellfallen, wo der floßbare Waldbach eilig dahinströmt, wird das Oehmd gemäht; manchmal hört man die Sense wetzen, und ein flüchtiger Sonnenblitz zuckt von der Klinge zurück. In den Nußbäumen hinter dem Hause und weiter oben am Hügel in den zahmen Kastanien schäkern die Nußhäher und fliegen ab und zu. Die Forellen in dem bis zum Grunde klaren Bergbach schwimmen lustig hin und her und ahnen nichts davon, daß in dem angekettelten Kasten ihre Genossen eingesperrt sind. Eine erquickende Lust von Wasser, Wiese und Feld umweht das Haus. Es wäre nur zu wünschen, daß sich etwas von solcher Lust in diese Blätter einströmen ließe. Ja, es gibt noch verborgene ruhsame und nährsame, in altväterischer Traulichkeit gehaltene Wirtshäuser, und der behaglichsten eines ist das goldene Lamm. Das breite, einstöckige Haus hat sich von der Landstraße zur Seite gerückt, um den haltenden Fuhrwerken Platz zu lassen. Vorzeiten standen hier mehr als ein Dutzend fliegender Krippen, an denen die Frachtgäule

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