Erstes Buch, 1. An Mäcenas.
1. An Mäcenas. Du, den zuerst mir pries, den zuletzt wird preisen die Muse, Mich schon genugsam geschauten, des Freistabs fröhlichen Kämpfer, Drängst du zurück, Mäcenas, in vorige Schranken des Spieles, Nicht mehr gleich ist Alter und Sinn. Vejanius, kampfsatt, Hängt' an Herkules Pfosten die Wehr und barg sich im Landhof, Um nicht öfter dem Volke zu flehn am Geländer des Kampfplans. Jemand tönt rastlos in das geistige Ohr mir den Zuruf: Löse das alternde Roß, da es Zeit ist, klüglich vom Joch, daß Nicht es zuletzt fehlrenne verlacht, und klopfenden Bauches. Jetzt denn leg' ich die Verse beiseit und anderes Spielwerk; Wahres und Ziemendes forsch' ich und frag' und lebe darin ganz; Emsig samml' und verwahr' ich, was bald vorlangen ich könne. Daß nicht etwa du fragst, wo mich schütz' und behause die Weisheit: Keinem Belehrer auf Worte zu huldigen ward ich verpflichtet; So wie Wind und Woge mich hinrafft, wander' ich unstet. Bald voll Thätigkeit streb' ich und tauch' in des Staates Gewog' ein, Als rechtschaffener Tugend Trabant und strenger Bewacher; Bald zu des Aristippus Ermahnungen wieder entschlüpfend, Tracht' ich mir selber die Welt, nicht der Welt mich unterzuordnen. So wie die Nacht langweilig vergeht, wem gelogen die Freundin, Und langweilig der Tag Dienstpflichtigen; so wie der Jahrlauf Mündeln schleicht, die mit Strenge die Hut einschränket der Mütter: So fließt träge die