Chapter

10. Juni

Burgwall, den 10. Juni 18––. Nun bin ich in der Heimath, vorgestern langte ich hier an. Es ist doch ein eignes Gefühl, wie ein Fremder, den Niemand kennt, den Keiner erwartet, für den nicht eine Seele einen freundlichen Gruß hat, in die Vaterstadt, in die Stadt seiner holdesten Erinnerungen zurück zu kehren. Du weißt, ich bin nicht sentimental, Pauline, aber da Du »Alles wissen willst, was sich zwischen mir und Burgwall ereignet,« so sei's gestanden, daß ich eine Art Herzweh fühlte, überall auf meinem Wege zum Gasthause Personen zu begegnen, die mich höchstens mit dem Blicke der Betrachtung beehrten. Und nun im Gasthause zu wohnen, ein wirklicher Gast, ein Fremder daheim zu sein! Das deutsche Haus, mit seinen Kastanien vor der Thüre – sie standen richtig noch da – lockte mich heimisch an: ihm gegenüber liegt ja das alte, liebe Haus, das meiner Phantasie immer als Heerd tiefsten Behagens vorgeschwebt hatte. Du erinnerst Dich gewiß, obgleich Du es als ein Kind von acht Jahren verließest, es steht mit dem Giebel nach der Straße, hat im zweiten Stock einen runden Ausbau, ist mit Schnitzwerk überladen und sieht auswendig gerade aus, wie ein Magister des sechszehnten Jahrhunderts sich der Welt präsentirt haben mag, künstlich, solid und pedantisch. Aber inwendig ist das anders. Gerade das Erkerstübchen war ein überaus behagliches, freundliches Zimmer, mit Blumen, vielem Lichte und

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