Vancouver, August 1899
1. Vancouver, August 1899. Ihr Brief hat mich unendlich erfreut – vor allem, weil er weniger traurig klingt, als ich gefürchtet hatte. Es wäre mir ja beinahe beschämend, wenn Ihnen Peking ohne mich nicht ein bißchen grauer und öder erschiene, und ich möchte etwas von Ihnen vermißt werden – aber nicht zu sehr. Es ist alles eine Frage von Nuancen, und Sie haben, vielleicht durch das jahrelange Studium alter chinesischer Brokate und Porzellane, ein merkwürdig feines Verständnis für Nuancen, und haben genau diejenige getroffen, die mir wohltuend sein mußte. Haben Sie also Dank für Ihren Brief, wie für so manches andere! Unsere kurzen Ferien in Japan sind mit jener erschreckenden Geschwindigkeit vergangen, die den guten Zeiten nun einmal eigen ist. Ich will Ihnen keine nachträgliche Reisebeschreibung schicken, kennen Sie doch Madame Chrysanthêmes Heimat so viel besser als ich; ich will Ihnen nur sagen, daß ich dort viel an Sie gedacht habe, denn durch alles, was Sie mir erzählt, und durch die Bücher, die Sie mir darüber geliehen, kannte ich Japan schon, als ich hinkam. Es war mir, als fände ich dort lauter alte Bekannte wieder; in den Teehausmädchen, die unsern Rickshaw-Kulis mit derselben Grazie und Höflichkeit wie uns selbst Tee servierten, wie in den Landarbeitern, welche, hoch aufgeschürzt oft bis an die Knie in den sumpfigen Reisfeldern versanken und sich bei Regenwetter