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An die Eltern

Hannover, 15. 6. 1912 Liebe Mutter! Entschuldige bitte, daß ich nicht eher schrieb. Ich wollte nämlich bis zur Musterung warten, damit ich Euch endlich gewisse Nachricht geben konnte. Mittwoch, den 12. 6., war ich zur Generalmusterung und wurde angesetzt zu: Krankenwärter-Garnisonlazarett-Hannover. Soviel ich mir denken kann, wird es kein sehr schwerer Dienst sein. Ich kann mich also eigentlich nicht beklagen. Außerdem bleibe ich in Hannover. Wenn ich nicht gerade Handwerker gewesen wäre, dann hätten sie mich nicht genommen. Der eine Offizier meinte: Maler können wir eigentlich noch gebrauchen. – Maler werden ja beim Militär bekanntlich viel beschäftigt, man kann sich also vielleicht noch etwas nebenbei verdienen. Eingezogen werde ich wahrscheinlich: Ende September bis Mitte Oktober. Du schreibst von Sparen; daran ist gar nicht zu denken. Ich hatte mir ja selber vorgenommen, etwas zu sparen, aber trotzdem ich immer sehr mäßig und solide gelebt habe, habe ich bis jetzt noch nichts zusammenkriegen können. Denn arbeitet man bei einem Meister, so geht es vier Wochen, fünf Wochen, höchstens sechs Wochen gut – und dann ist die Arbeit wieder zu Ende. Und dann muß nicht nur einer aufhören, sondern gleich ein halbes Dutzend. Danach meldet man sich wieder auf dem Arbeitsnachweis an – und kann in günstigsten Fällen in einer Woche, unter Umständen aber erst in zwei Wochen wieder Arbeit

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