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Aus dem Tagebuch einer Frau

Aus dem Tagebuch einer Frau Seit drei oder vier Jahren schon war ich überzeugt gewesen, daß Julien mich heiraten würde. O, er war nicht gleich und so ohne weiteres auf die Idee gekommen. Erst die Gewohnheit mußte in ihm die Sehnsucht nach einer andern Zukunft, nach einer andern Ehe zerstören, die sich in den ersten Zeiten unsrer Liaison auf so unerklärliche Weise mit der echten und aufrichtigen Liebe zu mir vermischte. Mein Gott, wie habe ich darunter gelitten, daß er nur halb mein Eigen war, daß er die letzte ganze Hingabe seines Herzens für eine andere Frau aufhob, die er noch nicht einmal kannte! Alles hatte ich ihm gegeben, mein Herz und meinen Leib. Alle meine Aussichten auf Glück hatte ich ihm geopfert; hätte er mich verlassen, dann wäre mein Leben aus... ganz aus gewesen... Und dennoch war ich auch darauf gefaßt. Ich sagte mir: »Dann werde ich wenigstens ein paar glückliche Jahre gehabt haben. Und wenn er mir dennoch erhalten bliebe? Wenn er die andre Frau, die ihn mir rauben soll, nie fände? Ich bin weder alt noch häßlich; ich habe keinem Manne angehört, als ihm...« Die Zeit hat alles in die Reihe gebracht. Ich habe meinen Freund so sehr geliebt, ich bin in seinem Dasein allmählich so unentbehrlich geworden, daß eine Zukunft an der Seite einer andern Frau ihn immer weniger lockte, daß ihm so etwas schließlich undenkbar erschien. Dann schenkte Gott mir ein Kind. Von dem

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